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Hobby-Fotografie | © by Martina und Wolfgang

      Mit dem Schiff durch den Geiranger-Fjord         Juli 2011

Ein Rettungsring gehört als wichtiges Utensil in Wassernähe, hier hängt er allerdings draußen an der Wand vom Kassen-
haus. Auf dem Schiff sehen wir keinen beim schnellen Rundumblick. Wir wissen, dass der Fjord sehr tief ist, über 600m sind wir über seinem Grund und ca. 20 km ist er lang. Hier können Kreuzfahrtschiffe einlaufen. Aber bloß nicht kentern!
Vor der Abfahrt unserer Fähre ziehen wir uns die Stühle an die Reling und setzen uns bequem nieder, um in der Fahrtrich-
tung alles sehen zu können. Pünktlich legt das Schiff ab. Lange bleiben wir nicht sitzen. Die andere Seite interessiert auch.
Auf dem Berg sehen wir in halber Höhe die Bergstraße, auf der wir vorhin gefahren sind. Die Felswände ragen bis zu 1500 Meter steil aus dem Wasser. Die Kamera surrt und nimmt vieles auf. Der Fjord ist eng, windet sich, die Berge sind steil und viele Wasserfälle münden direkt hinein. Man muss schon ein dickes Fell haben, wenn man hier nicht beeindruckt ist...
Der Geirangerfjord gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Norwegens, hier sind auch immer große Touristen-
schwärme. Die den Fjord umgebende tunnelreiche Bergstraße sieht von hier aus schon spielzeugklein aus. Kaum zu fas-
sen, dass wir dort vor kurzer Zeit noch mit unserem Bus gefahren sind. Nichts hält uns mittlerweile mehr auf den beque-
men Stühlen. Wir marschieren auf dem Schiff herum, denn die andere Seite hat auch ihre Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Seit 2005 gehört der Geiranger-Fjord zum Weltnaturerbe. Die weißen Wolkenfetzen haben sich dekorativ in die Berggipfel gehängt und verhüllen sie, jedoch ohne sie ganz vor uns zu verstecken. Auch im Schiffsbauch haben sich die Fahrgäste niedergelassen, sie belagern für den Ausblick die Fenster und verzichten auf die steife Brise, die auf dem Oberdeck weht.
Vom Frühstück haben wir Brotscheiben mitgebracht und die verfüttern wir jetzt mit Vergnügen an die Möwen. Sie fliegen dafür längsseits, passen sich unserer Geschwindigkeit an und nehmen dann das Bröckchen mit großer Vorsicht und direkt aus unseren Fingern, um danach schnell günstigen Wind zu nutzen und abzudrehen. Fingerschonend, sie zwicken uns nicht. Die Vögel bleiben aber klugerweise nur so lange in der Nähe unseres Schiffs, bis das Brot restlos verfüttert ist.
Alle Wasserfälle, die von den Bergen stürzen, haben märchenhafte Namen. Um sie ranken sich Sagen der Region. In einer tollen Gegend sind diese Möwen zu Hause, stellen wir fest. Auf einigen Felsvorsprüngen sieht man noch die Überreste verlassener Bauernhöfe. Manche Höfe werden auch nur über den Sommer bewirtschaftet, andere stehen ganzjährig leer.
Oft müssen wir uns nach der jeweils anderen Seite umdrehen. Auf beiden Seiten des Fjords erheben sich herrliche Berge.
Unser Schiff nähert sich langsam der Windung des Fjords. Ein großer Fels versperrt am Knickpunkt die Sicht. Viele Postkar-
ten gibt es an Bord. Die Motive sind von besonders geeigneten Stellen aus fotografiert. Werner kommt, fragt: Haste denn auch alles drauf? ...Ich stelle den Apparat ein und dann kann er über die Playfunktion den Gütekontrolleur spielen.
Die spektakulären Wasserfälle des Geiranger-Fjords machen ihn zum schönsten Fjord Norwegens. Das Wasser stammt aus einem See, der etwa 1300 m über dem Fjord liegt. Der "Brautschleier" besteht aus mehreren Wasserfällen, die dicht nebeneinander liegen und bei guter Wasserführung einen Schleier bilden. Jeder Wasserfall hat im Lauf der Zeit tief in den Berg eingeschnitten. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt der Volksmund nicht umsonst. Das Schiff fährt viel zu schnell.
Auf der linken Seite beginnt der Wasserfall "Die sieben Schwestern", der aus sieben Fällen nebeneinander besteht. Auch auf der anderen Seite stürzen sich weitere Wasserfälle in den dunkelblau bis blaugrünen Fjord. Als wir uns nähern, haben wir wunderbar freien Blick auf steile Felswände, die triefend vor Nässe dunkel glänzen. Kurz vor der Windung des Fjords sehen wir als Höhepunkt den Wasserfall richtig aus der Nähe. Gleich dahinter befindet sich ein weiterer Wasserfall, der vom Geitfonegga kommt, dessen Gipfel im Moment von schneeweißen Wolken verhüllt ist und dadurch geheimnisvoll wirkt.
Als Gegenüber des Wasserfalls stürzt sich der "Freier" vom Berg. Ist das Wasser im oberen Bereich noch eng gebündelt, so fächert es bis zur Einmündung richtig weit auf. Es kommt aus einer tiefen Einbuchtung, fällt rauschend über die Fels-
kante, stürzt breiter werdend in seine Bahn und die Wassermassen fließen gischtend über große Steine in den Fjord. Die fantasievollen Namen der Wasserfälle rühren von einer alten Sage her, nach der ein Freier beabsichtigte, eine der sieben Schwestern zu heiraten. Als ihn aber alle zurückwiesen, wurde er aus purer Verzweiflung zum Trinker. Der als "Freier" be-
kannte Wasserfall hat in Entsprechung zur Sage die Form einer Flasche. Das sehen wir ganz deutlich, als wir davor sind..
Immer näher kommt unser Schiff der abknickenden Windung des Geiranger-Fjords, aber noch versperrt uns der große Berg vor der Biege die weitergehende Sicht und damit den AHA-Effekt. Imposant und steil ragt er vor uns auf - von der Seite betrachtet sieht der Felsen aus wie ein markantes Gesicht. Je näher wir ihm kommen, desto dunkler wirkt seine im Schatten liegende uns zugewandte Seite. Nicht mehr lange wird es dauern und wir können bis zum Ende des Fjords auf den kleinen Ort Geiranger sehen. Eigentlich ist das schade, diese erlebnisreiche Stunde ist uns viel zu schnell vergangen.
Als wir recht dicht an der Felswand vorbeifahren, sind dort die Folgen von Touristen-Schmiererei zu sehen. Als ob es un-
bedingt sein muss, es schriftlich zu hinterlassen, dass man mal hier gewesen ist. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände, pflegte meine Oma zu sagen und sie hatte Recht damit. Es gibt viel zu viele Banausen, die keine Achtung kennen.
Die Berge werden steiler. Der Fjord immer enger...hier geht es wie durchs Nadelöhr und rum um den Fels. Uns beein-
drucken die vielen unterschiedlichen Wasserfälle, die wir hinter uns zurück gelassen haben, aber immer noch sehen kön-
nen. Das Berg-Gesicht von anderer Seite gesehen erscheint uns wie ein steinerner Wächter über die Natur und auch einige Rinnsale von den 7 Schwestern sind aus dieser Entfernung noch zu entdecken, dann bleiben sie endgültig zurück.
Die Namen der nächsten Wasserfälle können wir nicht mehr zuordnen, lassen nur die Eindrücke auf uns wirken. Winzig klein kommen wir uns vor, wenn wir den riesigen Felswänden so nahe gegenüber stehen. Die hinter den Wolken wieder hervortretende Sonne leuchtet die Felsen an und spiegelt sie im klaren Wasser. Ein kleines Motorboot zieht an uns vorbei,
ist nahe der Felswand. So sind wohl auch die Schmierfinken losgetourt. Wir haben freien Ausblick auf das Fjordende und Geiranger. Der vordere Talgrund ist flacher angelegt. Schon erheben sich am Ufer die Berge nicht mehr ganz so weit aus dem Wasser heraus und die Hänge sind bewachsen. Sie werden zunehmend grüner durch Moose, Gräser und Bäume. Die genauen Größenverhältnisse von Haus und Baum lassen sich vom Schiff aus und ohne Bezug sehr schwer einschätzen.
Geiranger liegt am Ende des gleichnamigen Fjords in der Provinz Møre og Romsdal und hat normalerweise nur ca. 300 Einwohner. In den Sommermonaten aber steigt die Zahl auf bis zu 2000 Bewohner an. Sie leben fast ausschließlich vom Tourismus. Neben den Hurtigruten-Schiffen kommen jährlich über 100 Kreuzfahrtschiffe im Fjord und somit in Geiranger an. Die Autofähre zwischen Geiranger und Hellesylt zieht ihre Bahn mehrmals am Tag durch den Fjord. Dadurch ist Geiranger wohl der überlaufendste Ort in Norwegen. Wir sehen das Gewimmel an Land und wissen, das stimmt.
Vom Schiff aus sehen wir den Adlerweg (Ørnevegen). Die serpentinenreiche Straße 63 verbindet Geiranger mit Eidsdal am Norddalsfjord. Elf sehr regelmäßige Serpentinen führen bis in eine Höhe von 624 m. Der Verlauf der Bergstraße ist auch von der Plattform am Dalsnibba zu sehen. Das Fjordende und damit unsere Ausstiegstelle ist fast erreicht. Die Adlerstraße bietet einen fantastischen Ausblick in den Fjord, aufs Fjordende und auf die umgebenden hohen Berge. Mit seinen Ser-
pentinen gehört die Straße zur 'Golden Route', die weiter über den Trollstigen bis nach Åndalsnes führt. Mehrere Bauern-
höfe befinden sich in nicht allzu großer Höhe. Z.T. sind sie noch immer bewohnt und werden im Sommer bewirtschaftet.
Touristenquartiere dürfen nicht fehlen. Die einen bevorzugen kleinere Hütten, die anderen große komfortable Hotels. Ge-
sorgt wird deshalb für beides. Hinter dem Fjord türmen sich wieder sehr hohe Gebirgszüge und dort müssen wir noch per Bus aufwärts fahren. Malerisches Geiranger, es verlockt dazu, auf der Stelle zum Pinsel zu greifen und zu malen. Im Was-
ser zeigen sich herrliche Spiegelungen, die sich im Wellenspiel brechen, also: wo sollte man da anfangen mit dem Malen? Wir schauen stumm und versunken in die Landschaft und sind überwältigt von dem tollen Anblick. Unübertrefflich ist das!
Auf dem Schiffsdeck stehen nur noch verlassene Stühle. Die ersten Passagiere gehen von Bord. Bis auf ein paar Verein-
zelte, die sich überhaupt nicht losreißen können. Aber auch wir steigen dann die Treppen vom Oberdeck herunter, um den anderen zu folgen. Die letzten sind wir trotzdem noch nicht. Wieder gehen wir zu Fuß vom Fährschiff und halten Ausschau nach unserem Bus, der bereits von Bord gefahren ist. Der Blick zurück zeigt den Fjord, der jetzt von der geöffneten Bug-
klappe des Motorschiffs gerahmt wird. Vor uns liegt Geiranger, der voll an Touristenströme angepasste Ort. Seine Bewoh-
ner leben damit und davon. Aber schade; gerade heute ankern leider keine Kreuzfahrtschiffe im Fjord, nur unser Fährschiff hat angelegt. Unser Bus steht auf dem Parkplatz für uns bereit, aber vorher bekommen wir noch Gelegenheit, uns Land und Leute anzusehen. Wer Zeit hat, legt sich zum Sonnenbad auf's Mäuerchen. Die große Trollfigur sehen wir von hinten und beim Vorübereilen auch von vorn. Viele Touristen lassen sich mit ihr fotografieren, der Troll ist ständig dicht umlagert.

 
 © Martina & Wolfgang Müller / 2009  <== zurück zur Auswahl